Wohnungskonzern Vonovia wegen ungerechtfertigter Mieterhöhungen in der Kritik

Wohnungskonzern Vonovia wegen ungerechtfertigter Mieterhöhungen in der Kritik

Sie sind das genaue Gegenteil der sozial orientierten privaten Kleinvermieter: Die börsennotierte Wohnungswirtschaft ist bekannt dafür, jede legale Möglichkeit für Mieterhöhungen auszuschöpfen. Der Wohnungskonzern Vonovia geht offenbar noch weiter und verlangt in großem Stil ungerechtfertigte Mieterhöhungen – diesen Vorwurf erhebt jetzt zumindest der Deutsche Mieterbund NRW.

Größter Wohnungskonzern in Deutschland: Die Zentrale der Vonovia SE in Bochum

Sie sind das genaue Gegenteil der sozial orientierten privaten Kleinvermieter: Die börsennotierte Wohnungswirtschaft ist bekannt dafür, jede legale Möglichkeit für Mieterhöhungen auszuschöpfen. Der Wohnungskonzern Vonovia geht offenbar noch weiter und verlangt in großem Stil ungerechtfertigte Mieterhöhungen – diesen Vorwurf erhebt jetzt zumindest der Deutsche Mieterbund NRW.

Düsseldorf. Der börsennotierte Bochumer Wohnungskonzern Vonovia SE, ein Mitglied des Verbands VdW Rheinland Westfalen, nimmt es mit dem Mietrecht offenbar nicht so genau: Diesen Vorwurf erhebt zumindest der Deutsche Mieterbund Nordrhein-Westfalen (DMB NRW). „Der Konzern verschickt offensichtlich rechtswidrige Mieterhöhungsverlangen wohlwissend, dass ein Großteil der Mieterschaft aus Angst oder Unwissenheit zustimmt“, zitiert der DMB NRW in einer Pressemitteilung vom 1. Dezember Maximilian Fuhrmann, der beim Deutschen Mieterbund auf Bundesebene als Experte für große Wohnungsunternehmen tätig ist.

Der Experte folgert seine Beobachtung aus einer vom DMB NRW vorgenommenen Auswertung der Rechtsstreitigkeiten, in welche das börsennotierte Wohnungsunternehmen in letzter Zeit verstrickt war. „In den vergangenen Monaten hat Vonovia in mehreren Städten sämtliche Verfahren zu Mieterhöhungsbegehren verloren. In Berlin, Hamburg, Dortmund und Dresden wiesen die Gerichte die Forderung der Vonovia als ungerechtfertigt zurück“, berichten die Mieterschützer in ihrer Pressemitteilung. „Zuschläge wegen guter Nahversorgung, einer angeblich besonderen Wohnlage, gutem ÖPNV-Anschluss etc. haben vor Gericht keinen Bestand.“

Vonovia scheitert mit zahlreichen Mieterhöhungen vor Gericht

Dennoch halte der Konzern hunderte gleichgelagerte Klagen weiterhin aufrecht, kritisiert der DMB NRW. „Vonovia führt massenhaft Prozesse ohne Aussicht auf Erfolg. Das belastet die Justiz und die betroffenen Mieterinnen und Mieter“, wird Maximilian Fuhrmann dazu zitiert. Der Fachmann betonte zugleich, das Vorgehen der Vonovia sei nicht nur ein Problem für die Betroffenen, sondern für die gesamte Gesellschaft.

Dazu ergänzte der Vorsitzende des DMB NRW, Hans-Jochem Witzke, dass der Konzern die staatlichen Ausgaben für Sozialleistungen in die Höhe treibe: „Da die Jobcenter Mieterhöhungen oftmals nicht auf ihre Rechtmäßigkeit prüfen, zahlt die öffentliche Hand deutlich mehr Geld für die Kosten der Unterkunft an Vonovia als nötig wäre.“ Nach Angaben des DMB NRW hat der Konzern inzwischen immerhin angekündigt, in Berlin keine Mieterhöhungsverlangen mit rechtswidrigen Zuschlägen mehr zu versenden. Wer einer solchen Erhöhung bereits zugestimmt hat, muss die neue Miete allerdings weiterhin bezahlen.

Börsennotierte Wohnungswirtschaft: Vonovia größter Wohnungskonzern

Vor diesem Hintergrund fordert der DMB-Experte Maximilian Fuhrmann: „Jetzt muss Vonovia diese Praxis bundesweit einstellen und Mieterhöhungen, denen zugestimmt wurde, zurücknehmen. Nur so kann der Konzern Vertrauen der Öffentlichkeit und seiner Mieterinnen und Mieter zurückgewinnen.“ Der börsennotierte Vonovia-Konzern ist das größte Wohnungsvermietungsunternehmen in Deutschland. Zum 31. Dezember des Jahres 2024 besaß der Konzern insgesamt 539.753 Wohnungen, die allermeisten davon in Deutschland, neben kleineren Beständen in Schweden und Österreich.

Die Vonovia SE hat im Geschäftsjahr 2024 einen Umsatz von 4,9 Milliarden Euro und einen Gewinn (bereinigtes EBITDA) in Höhe von etwas mehr als 2,6 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das Unternehmen hat in den vergangenen 10 Jahren jedes Jahr eine Dividende an seine Aktionäre gezahlt. Deren Höhe schwankte dabei zwischen 62 Cent im Jahr 2014 und 1,66 Euro im Jahr 2022. Zugleich ist der Konzern in der Vergangenheit immer wieder wegen mangelhafter Instandhaltung, teurer Modernisierungen und fehlerhafter Nebenkostenabrechnungen in der Kritik gewesen.

Die Analyse des DMB NRW zu den Rechtsstreitigkeiten der Vonovia SE steht hier zum Download bereit.

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 DMB NRW-Analyse Vonovia (PDF, 533 KB)

Dieser redaktionelle Beitrag wurde von Haus & Grund Rheinland Westfalen verfasst.

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