Ein attraktives Wohnumfeld, mit dem die Bewohner eines Quartiers zufrieden sind, wirkt sich für Eigentümer positiv aus: Es beeinflusst den Wert ihrer Immobilie positiv, erhöht die erzielbaren Mieten und die Zufriedenheit der Mieter – was das Streitpotential begrenzt. Doch was macht eigentlich ein gutes Wohnumfeld aus? Dazu gibt eine neue Studie jetzt interessante Einblicke.
Bonn. Die Einwohner der deutschen Großstädte sind mehrheitlich zufrieden mit ihrem Wohnumfeld: 70 Prozent der Großstadtbewohner bewerten ihr Wohnumfeld als „sehr gut“ oder zumindest „eher gut“. Das zeigt jetzt eine vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) vorgenommene Auswertung von Daten aus der Befragung zum Sozio-ökonomischen Panel (SOEP) aus dem Jahr 2024.
„Die insgesamt hohe Zufriedenheit ist eine gute Nachricht. Sie darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Lebensbedingungen innerhalb der Großstädte sehr unterschiedlich sind“, sagt BBSR-Leiter Peter Jakubowski zu den Ergebnissen der Auswertung. „Gerade in sozial benachteiligten Quartieren treffen häufig mehrere Belastungen zusammen. Wer dort lebt, hat auf dem Wohnungsmarkt oft weniger Wahlmöglichkeiten.“
Bewertung des Wohnumfelds: Persönliche Lebenslage spielt große Rolle
So zeigen sich beim genaueren Blick auf die Daten große Unterschiede zwischen der Bewertung des eigenen Wohnumfelds – je nach Wohnort und persönlicher Lebenslage. „Von den Befragten mit hohem Haushaltseinkommen bewerten 74 Prozent ihr Wohngebiet positiv“, berichtet das BBSR. „Bei mittleren Einkommen sind es 63 Prozent, bei niedrigen Einkommen 48 Prozent.“ Auch nach Bildungsabschluss betrachtet, zeigt sich ein ähnliches Bild. Das überrascht wenig, hat doch das Bildungsniveau Einfluss auf das Haushaltseinkommen.
In Quartieren mit einem niedrigen Anteil von Sozialleistungsempfängern (sog. SGB-II-Quote) zeigen sich 93 Prozent der Befragten mit ihrem Wohnumfeld zufrieden und geben eine positive Bewertung ab. In Quartieren mit hohem Anteil von Sozialleistungsempfängern waren es dagegen nur 47 Prozent. Auch die Bebauung eines Quartiers spielt bei der Bewertung des Wohnumfelds eine erhebliche Rolle. „In Gebieten mit freistehenden Einfamilienhäusern bewerten rund 90 Prozent der Befragten ihr Wohnumfeld positiv“, stellt das BBSR fest.
Wie stark wirken sich Umweltbelastungen auf das Wohnumfeld aus?
Dagegen kommen Mehrfamilienhausgebiete nur auf knappe 62 Prozent und Gebiete mit gemischter Bebauung sogar nur auf 42 Prozent. Auch die Fluktuation sorgt für Unterschiede bei der Bewertung des Wohnumfelds. Das BBSR schreibt hierzu: „In Stadtteilen mit wenigen Zu- und Fortzügen bewerten mehr als 80 Prozent ihr Wohnumfeld positiv. Bei mittlerer oder hoher Fluktuation sind es jeweils rund 70 Prozent.“ Objektive Aussagen zu den Gründen und Auswirkungen der jeweiligen Bewertung des Wohnumfelds erlaubt die Auswertung nicht.
Allerdings liefert sie gewisse Indizien. So wurden die Befragten etwa auch nach Umweltbelastungen gefragt. Es zeigt sich: Diejenigen, die sich nicht oder nur geringfügig durch Lärm belästigt sehen, beurteilen ihr Wohnumfeld zu 71 Prozent positiv. Jene Befragten, die eine hohe oder sehr hohe Lärmbelastung angeführt haben, bewerten das Wohnumfeld nur zu 46 Prozent positiv. „Wer einen erheblichen Mangel an zugänglichen Grünflächen wahrnimmt, beurteilt sein Wohnumfeld ebenfalls deutlich seltener positiv“, berichtet das BBSR.
Sicherheitsgefühl spielt große Rolle für ein positives Wohnumfeld
Wenig überraschend ist auch der Zusammenhang zwischen der Bewertung des Wohnumfelds und dem Sicherheitsgefühl der Einwohner: „Wer sich in seinem Wohngebiet sicher fühlt, bewertet es deutlich häufiger positiv: Der Anteil liegt bei 73 Prozent“, stellt das BBSR fest. „Unter denjenigen, die sich unsicher fühlen, sind es nur 27 Prozent.“ In Quartieren, in denen ein guter Zusammenhalt in der Nachbarschaft besteht, bewerten 83 Prozent der Befragten ihr Wohnumfeld positiv, in Gegenden, wo sich Nachbarn kaum kennen, sind es nur 49 Prozent.
Die Ergebnisse der Studie zeigen also am Ende viele Faktoren auf, welche die wahrgenommene Qualität des Wohnumfelds beeinflussen und nicht selten auch miteinander zusammenhängen. Entsprechend vielseitig sind die möglichen Ansatzpunkte für Kommunen, die das Wohnumfeld in bestimmten Quartieren verbessern möchten. „Pauschale Lösungen werden der Vielfalt der Stadtteile nicht gerecht“, sagt Jakubowski. „Entscheidend ist, Belastungen kleinräumig zu erkennen und dort anzusetzen, wo mehrere Nachteile zusammenkommen.“
Dieser redaktionelle Beitrag wurde von Haus & Grund Rheinland Ruhr verfasst.
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